Geschichte

Dass es auf der Reiter Alpe, diesem mächtigen Gebirgsstock im Nordwesten der Berchtesgadener Alpen, diesseits und jenseits der bayerisch-salzburgischen Grenze eine Traunsteiner Hütte gibt, das hat mit den politischen Zeitläuften zu tun, denn die von den Nationalsozialisten am 27. Mai 1933 eingeführte „1000-Mark-Sperre“ sollte den Übertritt zwischen Deutschland und Österreich erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Mit dem Beschluss, beim Grenzübertritt nach Österreich eine Gebühr von 1000 Reichsmark zu entrichten, sollte nämlich die damals schon stark vom Tourismus geprägte Wirtschaft Österreichs geschwächt werden. Damit drohte auch der knapp neben der Grenze auf österreichischem Gebiet liegenden, 1901 erbauten „Traunsteiner Hütte“ der Alpenvereinssektion Traunstein das wirtschaftliche Ende.

Es spricht für die Tatkraft und den Unternehmungsgeist der Alpenvereinssektion Traunstein unter ihrem damaligen Vorsitzenden Rechtsanwalt Karl Merkenschlager, dass sie - nach kurzer Bau- und Planungszeit - auf bayerischem Boden in 1570 m Höhe ein weitaus größeres Haus errichtete, das bereits am 4. September 1938, also vor genau 75 Jahren,  eingeweiht werden konnte. Den Standort dieses, fortan „Neue Traunsteiner Hütte“ genannten Hauses hatte der Baurat Gsänger festgelegt, worüber sich damals mancher Kenner des Gebiets wunderte. Denn der gebürtige Franke  war damals zum ersten Mal auf die Reiter Alm gekommen. Er schnupperte in der Luft, schaute nach allen Himmelsrichtungen und deutete mit ausgestrecktem Arm spontan auf eine Stelle, auf der das Haus zu erbauen sei. Und gegen einen Architekten des Führers, so hieß es damals, wagte niemand einen Widerspruch.

Dass der von den Kennern des Gebiets bevorzugte Platz keine Sprengungen nötig gemacht hätte und die Aussicht auf den südlichen Teil des Gebirges schöner gewesen wäre, das spielt heute keine Rolle mehr, denn dieses nach Karl Merkenschlager benannte Haus wurde im Laufe der Jahrzehnte ständig modernisiert und mit der neuesten Technik zur Erzeugung alternativer Energie und einer modernen Kläranlage ausgestattet, so dass die Besucher eine komfortable Unterkunft erwartet, in der die Hüttenwirtsleute Maresi Herbst und Tom Krüger aus dem nahen Lofer im Salzburger Land seit elf Jahren ein sanftes Regiment führen. Dabei zaubert Maresi aus ihrer Küche schmackhafte, regional geprägte Gerichte und stellt aus den vielen duftigen Kräutern auf den saftigen Almwiesen köstliche Teemischungen zusammen.

Diese Neue Traunsteiner Hütte liegt ebenso wie die öffentlich nicht zugängliche „Alte Traunsteiner Hütte“ mitten im weitläufigen Almgebiet der Reiter Alpe, wie in einer riesigen Schüssel, deren Rand die bis zu 2286 Meter aufragenden Gipfel bilden. Mitten durch diese Hochfläche verläuft die heute bedeutungslose Grenze zwischen Bayern und Österreich, die auch den Rand des Nationalparks Berchtesgaden bildet. Das Haus bietet sich als Ausgangspunkt an für zahlreiche lange und kürzere Wanderungen, leichterer und schwierigerer Art, die auch einen mehrtägigen Aufenthalt auf der Hütte interessant machen.